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Biographie

IN MEINEM WILDEN HERZEN" - DAS ZWEITE RILKE-PROJEKT

Stars präsentieren neue Pop-Melodramen aus bewegender Poesie und fesselnder Musik.

Wer liest heute Lyrik? Wer traut sich, statt Krimi-Bestsellern, Psycho-Literatur oder Beziehungsromanen einen Gedichtband zur Hand zu nehmen? Es droht Gefahr! Denn hinter der Poesie lauert die Tiefe! Es ist riskant, den verschlungenen Wegen der Sprache zu folgen. Worte als Symbole zu begreifen. Und schliesslich eine Reise anzutreten in die sorgsam verborgenen und gehüteten Winkel des eigenen Lebens.

Also: Wir sind aus der Übung. Und es fällt auch gar nicht auf. Wo begegnet uns heute Poesie schon im Alltag? Wo einst das Bürgertum seine literarischen Salons pflegte, stauben heute bestenfalls noch ein paar Reclam-Bändchen vor sich hin. Die Zeit ist knapp, das Leben voll, und der Rest ist Entertainment. Gedichte? Vielleicht ein paar Zeilen aus Schillers "Glocke" noch. Und immer wieder unter den Bruchstücken der Erinnerung auch ein herbstlicher Rilke: "Herr: es ist Zeit, der Sommer war sehr gross..."

Der Österreicher Rainer Maria Rilke (1876-1926) wusste nichts von Zeitmanagement, von Unterhaltung und multimedialer Kommunikation. Aber er glaubte an die Sprache. Ihr widmete er sein Leben. Sie war ihm Werkzeug und bot ihm jeden Freiraum für die Suche nach Sinn. Aus der Sprache schuf Rilke eine zweite Welt jenseits dessen, was objektiv erfahrbar ist. Er erforschte den Kosmos hinter den Dingen - und hinter den Worten. Die Literaturwissenschaft bündelte die vielfältige künstlerische Sinnsuche zur Stilrichtung und nannte sie "Symbolismus".

Mit der Faszination an dieser Odyssee in parallele Welten lässt sich der verblüffende Erfolg des Rilke-Projekts auf CD aber nicht allein erklären. Ebenso wenig wie die spontane und nachhaltige Begeisterung der rezitierenden Künstler. Sicher: Die Idee, Rilkes Verse als moderne Sound-Melodramen aufzuarbeiten, ist ein genialer Coup. Die Musik des Komponistenduos Angelica Fleer und Richard Schönherz nutzt die Hörgewohnheiten unserer Zeit nicht nur zur Illustration der Worte, sondern auch zur "beschleunigten Datenübertragung", wie man es im Hightech-Zeitalter formulieren könnte: Auf der Musik gleitet das Wort. Die Stimulanz des Hörers erfolgt in doppelter Hinsicht.

Doch die euphorischen Statements der prominenten Interpreten gehen noch weiter. Iris Berben schätzt Rilke, "weil er eine so grosse Sensibilität hat im Erkennen von Leid und von den Schmerzen des Herzens." Till Brönner: "Man kann Rilke mit den Ohren, mit den Augen und mit dem Herzen aufnehmen." Klaus Meine: "Die Menschen heute und ganz besonders die junge Generation sucht etwas, was aus dem Herzen kommt und was echt ist." Drei O-Töne, dreimal "Herz". Und Laith Al-Deen machte aus dem Titeltext "In meinem wilden Herzen" eine Rap-Nummer, die unter die Haut geht.

Offenbar sind es nicht nur Rilkes aus Sprache generierten Mysterien, die ein modernes Publikum wieder ansprechen und bewegen. Es sind auch und gerade die emotionalen Signale. Rilkes Texte, oftmals abgedunkelt von latenter Melancholie und subtilem Pessimismus, treffen uns heute wieder an unserer empfindlichsten Stelle: am Schnittpunkt zwischen Schein und Sein der Existenz. Dort, wo sich die Bilder treffen. Wo sich das innere Wesen wund reibt an dem äusseren. "O Kindheit, o entgleitende Vergleiche. Wohin? Wohin?" - so endet Rilkes Gedicht "Kindheit". Die Frage wird nicht beantwortet. Und doch ist sie die wichtigste der Welt.

Musik und Sprache - die Verbindung ist eines der tragenden Fundamente in Rilkes Dichtkunst. Biographen sprechen gar von einer "Musikalischen Periode" in seinem früheren Werk, etwa ab der Jahrhundertwende. Rilke entdeckte für sich die Sprache neu und unterwarf sie nach Metrik und Melodie den Gesetzen der Musik. Mit seiner berühmten fiktiven Familienhistorie "Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke" schuf er durch Rhythmik und Klangfarben einen Klassiker der Vortragskunst. Seine gesamte Lyrik ist durchdrungen von musikalischen Anklängen und wie geschaffen für die Vertonung: Eine Qualität, die in dieser zweiten Folge des Rilke-Projekts besonders leicht nachvollziehbar wird.

Rhythmik und Phrasierung der vom Klangbild sehr individuell gestalteten Stücke orientieren sich eng am Sprachduktus. Obwohl die Arrangements Assoziationen mit Hiphop, Blues oder Ballade durchaus zulassen, dominiert die gebundene Sprache den Sound. Am Urtext wurde bis auf gelegentliche Wiederholungen von Schlüsselworten oder -zeilen nichts geändert, so dass der eigene Charakter jedes einzelnen Gedichts im Ergebnis nur atmosphärisch betont, nicht aber ausgedeutet wird.

Ein neues Verfahren ist so eine "Engführung" zwischen Text und Ton übrigens nicht. Der frühromantische Komponist Georg Benda gilt als Urvater dieser "Melodram" genannten Form und fand bis ins 20. Jahrhundert hinein viele Nachahmer. Mit Musik unterlegt wurden nicht nur ganze Schauspiele, sondern später auch Balladen und Gedichte. "Gebundene Melodramen", in denen nicht nur Rhythmus, sondern auch Tonhöhe der Sprechstimme notiert war, erfreuten sich um 1900 in den Konzertsälen grosser Beliebtheit und haben mit Sicherheit auch Rilke nachhaltig beeinflusst.

"Das ist Balsam für die Stimmbänder, mal gute Texte zu sprechen...," so einfach wie André Eisermann kann man es auch formulieren. "In meinem wilden Herzen" präsentiert wiederum Stars, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Ein illustrer Kreis von Schauspielern und Musikern nahm die Herausforderung an, einmal hinter dem gesprochenen Wort ganz zurückzutreten - und doch phänomenal präsent zu sein. Im Namen Rilkes entstand ein eigenwilliges Album, das sich zwar auch als "Lyrik light" oder "poetischer Chillout" erleben lässt, aber doch den Bogen viel weiter spannt: Zwischen Jahrhunderten, Generationen, Lebenserfahrungen - und nicht zuletzt zwischen Popkultur und klassischer Dichtkunst.

Die Produzenten Schönherz & Fleer über das Rilke Projekt "In meinem wilden Herzen"

"Ich glaube, dass gerade in unserer High Speed-Gesellschaft Poesie ganz wichtig ist. Und ich glaube auch, dass viele Menschen Poesie vermissen, ohne zu wissen, was sie vermissen." Dass dies so ist, wie Richard Schönherz es beschreibt, beweist der riesige Erfolg des Vorgängerprojektes "Bis an alle Sterne". Es wurde von der Presse hochgelobt und hielt sich über ein Jahr lang in den deutschen Hörbuchcharts.

Der Komponist, Texter, Arrangeur und Keyboarder Richard Schönherz ist in Europa vor allem durch seine Zusammenarbeit mit André Heller bekannt geworden, bei dessen drei Alben Neue Lieder, Bei lebendigem Leib und Das war André Heller er für sämtliche Kompositionen und Arrangements zuständig war. Er schrieb aber auch Text und Musik zu Wolfgang Ambros' CD Teuflische Verbindung und beteiligte sich als Arrangeur an dessen CD Nie und nimmer. Neben drei Alben, die er für die Gruppe Supermax komponierte, schrieb er Erika Pluhar ihr Mondlied auf den Leib und war zweimal der geistige Schöpfer des österreichischen Beitrags zum Eurovision Song Contest. Spätestens durch seine Erarbeitung der sinfonischen Teile der CD Victor des Royal Philharmonic Orchestra wurde man auch in den Vereinigten Staaten auf ihn aufmerksam, wo er die CDs One Night in Vienna - in Japan ausgezeichnet als "Best New Age Album of the Year" - und Under a Big Sky sowie zahlreiche weitere Eigenkompositionen und Arrangements klassischer Kompositionen von Johann Sebastian Bach, Frédéric Chopin, Gabriel Fauré oder Wolfgang Amadeus Mozart veröffentlichte.

Angelica Fleer ist bisher kaum weniger erfolgreich aufgetreten. In ihrer umfassenden Diskografie finden sich Arbeiten für Robin Becks Don't try to find love (Komposition und Arrangement), für Sally Oldfields Promised Land (Komposition), die CD Room of Gold von Human Voice oder für die Kölner Rockgruppe BAP (als Komponistin der Titel Saach, wat ess bloss passiert? und Wirklich noch nie auf der CD Amerika). Zusammen mit Wolfgang Niedecken und Komplizen war sie auch in Mosambique unterwegs, gemeinsam mit Stanislaw Soyka durch Deutschland und Polen - unter anderem beim Sopot Festival. Mit Waiting for the Big Rain hat sie unter dem Künstlernamen Yara auch bereits ein eigenes Projekt veröffentlicht. "Die Welt wird so kalt in gewisser Weise. Aber letztendlich wächst auch alles zusammen. Rilke ist eine sehr gute Brücke", sagt Angelica Fleer über das RILKE PROJEKT, "ich denke, das ist wirklich etwas, das jeden berührt, wenn er sich dafür öffnet."


weitere Informationen zur Single Auskopplung des Albums " Bis an alle Sterne ...":
"Du nur, Du" - Xavier Naidoo & Ben Becker


Ben Becker

Erst war er Bühnenarbeiter, dann begann und absolvierte er eine Schauspielausbildung - und sofort rissen sich Theater, Fernsehen und Film um den ebenso begabten wie gut aussehenden Berliner Ben Becker. Am Theater spielte er zwischen 1985 und 1999 an so bedeutenden Häusern wie dem Hamburger Schauspielhaus, dem Stuttgarter Staatsschauspiel oder der Schaubühne sowie dem Maxim-Gorki-Theater in Berlin Hauptrollen in Klassikern und modernen Stücken, gab Lesungen und machte auch mit eigenen Stücken auf sich aufmerksam. Seit 1987 ist er im Kino zu erleben, unter anderem in Joseph Vilsmaiers Schlafes Bruder (1994) und dessen Comedian Harmonists (1997) oder in Rolf Schübels Gloomy Sunday (1998), und seit 1994 auch immer mehr im Fernsehen

Xavier Naidoo

Spätestens seit seinem Album Nicht von dieser Welt von 1998 gilt Xavier Naidoo als der populärste junge Hip Hop-Musiker Deutschlands, dessen tiefgründige Texte ebenso wie seine erotische Stimme ein Publikum quer durch alle Altersgruppen begeistern. Bis er sich mit seinem ersten Single-Hit "20.000 Meilen" aus dem Hintergrund von Sabrina Setlur lösen konnte, hatte der 1971 als Sohn südafrikanischer Eltern in Mannheim geborene Musiker, der zuerst in einem Gospel-Chor gesungen hatte, bereits Hauptrollen in drei Musicals übernommen und als Backgroundsänger bei mehreren Alben von Moses P. und dem Rödelheim Hartreim Projekt mitgewirkt. Das erste eigene Album erreichte dann innerhalb kürzester Zeit den dritten Platz der Hitparaden, wenig später die goldene Schallplatte, Platin und sogar Dreifach-Gold - und Single-Auskopplungen wie "Nicht von dieser Welt" oder "Führ mich ans Licht" rotierten im Radio ebenso wie beim Musikfernsehen... 1999 erhielt Naidoo den Echo-Preis als bester Nachwuchskünstler und auf der Musikmesse "Popkomm" wurde ihm der "Comet" in der Kategorie "Bester nationaler Act" verliehen. Sein Song "Sie sieht mich nicht" aus dem Soundtrack zu Asterix und Obelix erreichte Platin, "Eigentlich gut" wurde ebenso zum Hit wie "Alles", der Titelsong aus dem Film Anatomie, wo Naidoo nun seinerseits Sabrina Setlur featured. Auch das während der immer wieder verlängerten Tourneen entstandene Live-Album auf seinem eigenen Label "Söhne Mannheims" entwickelte sich zu einem echten Verkaufsschlager.

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